Tara
Die kleinen Hoffnungsträger aus Khiwai
Handgemachte Schmuckstücke aus Fairem Handel von TARA aus Indien stärken Menschen wie Mosmeen dabei, selbstbestimmter zu leben.
Mosmeen wird dieses Jahr 38. Sie lebt in Khiwai, einem Dorf im indischen Uttar Pradesh. Das traditionelle Rollenverständnis – Frauen bleiben zuhause und kümmern sich um Haushalt und Familie, Männer um die Erwerbsarbeit – ist stark verwurzelt. „Frauen heiraten früh und haben kein Mitspracherecht,“ sagt Mosmeen. „Wirtschaftlich sind sie von ihren Ehemännern und Eltern abhängig.“ Als ihre drei Kinder – zwei Töchter und ein Sohn – noch klein waren, hat ihr Mann sie verlassen. Seither ist sie Alleinerzieherin. Ihre Eltern unterstützen sie. Doch Mosmeen hat auch ihr eigenes Einkommen. Sie stellt Schmuck her:
„Ich arbeite seit 17 Jahren als Kunsthandwerkerin und koordiniere die Werkstatt Khiwai Mahila Samooh. Genau genommen habe ich die Gruppe gegründet.“
Unterstützt wurde und wird sie dabei von TARA, einer indischen Sozial- und Vermarktungsorganisation mit über 40 Jahren Erfahrung und Engagement im Fairen Handel. Im Fokus stehen benachteiligte HandwerkerInnen, meist Angehörige der untersten Kaste. „Armut hat nicht nur mit knappen Geldmitteln zu tun. Es geht auch um Rechte und um Beziehungen, es geht darum, wie mit Menschen umgegangen wird und wie sie sich selbst wahrnehmen. Es geht um Ohnmacht, um ausgeschlossen sein um den Verlust der Würde,“ stellt Mitarbeiterin Moon Sharma fest. Diese Erfahrung kennt auch Mosmeen. „Früher hatten wir nicht genug Arbeit. Wir bekamen Aufträge von Zwischenhändlern. Doch die hatten weder Werte noch Ethik. Manchmal haben sie uns nicht einmal bezahlt.“
Die Zusammenarbeit mit TARA und der Zugang zum Fairen Handel haben für Mosmeen vieles verändert. „Die Arbeit mit TARA hat uns geholfen, uns zu organisieren, zu lernen, neue Schmuckdesigns auszuprobieren und unser eigenes Geld zu verdienen. Das hat mir und meinen Handwerkskolleginnen Selbstvertrauen gegeben. Ich bin glücklich, dass alle meine drei Kinder zur Schule gehen. Da ich selbst nicht in der Lage war, zur Schule zu gehen, bin ich wirklich stolz darauf.“
Die Schmuckstücke von Mosmeen und ihrer Gruppe finden über TARA ihren Weg nach Österreich. Bereits seit 1978 besteht die direkte Handelspartnerschaft mit EZA Fairer Handel. Das Jahr der Pandemie hat die HandwerkerInnen von TARA stark getroffen. In vielen Werkstätten musste die Arbeit eingestellt werden. Aus dem Sofothilfefonds der ARGE Weltläden wurde auch Momseens Gruppe unterstützt. Die HandwerkerInnen verwendeten die Gelder in den Wochen des Lock Downs, um Miete, Strom, Medikamente und Lebensmittel zu bezahlen. „Das hat uns sehr geholfen“, sagt Mosmeen. „Danke, dass ihr – so weit weg – an uns gedacht habt.“
„Ich bin froh, dass ich nach einem langen Kampf selbständig geworden bin und auch andere Handwerkerinnen in meinem Dorf unterstützen kann“, sagt Momseen. „Es ist wichtig, dass Frauen selbstbestimmt und unabhängig werden. Der Faire Handel hilft uns dabei, unsere Hoffnungen auf ein besseres Leben zu erfüllen.“
Die aktuellen Kreationen von Mosmeen und ihren Kolleginnen sind in Österreich angekommen, während sich die COVID-Situation in Indien neuerlich dramatisch zuspitzt...



