Partnerbeschreibung
Last Forest
Bienenwachstücher aus Indien
Indigene Gemeinschaften machen knapp 10% der indischen Bevölkerung aus - mit rund 104 Millionen Menschen die Größte der Welt. Tamil Nadu liegt im Süden Indiens und ist geografisch vor allem durch seine Bergketten und Wälder geprägt. Etwa ein Prozent der dort lebenden Bevölkerung gehört den Adivasi an, eine frei gewählte Selbstbezeichnung indischer Indigener. Sie haben eine starke Verbindung zur Natur, leben eine Kultur des Teilens und Gemeinschaftseigentums. Als erstrebenswert gilt wenig zu verbrauchen und möglichst nichts zu verschwenden. Indigene Gemeinschaften wie die Adivasi tragen weltweit durch ihre traditonelle Form der Landwirtschaft dazu bei Treibhausgase zu binden und die globale Erwärmung abzufedern. Ihre natürliche Lebensgrundlage wird jedoch von Privatisierungen, Übernahmen von Großunternehmen, Monokulturen, Entwaldung sowie umweltschädlichen Abbau von Rohstoffen bedroht. 1988 wurde in der National Forest Policy erstmals die ökologische Bedeutung der Wälder Indiens benannt und seinen BewohnerInnen besondere Rechte zugestanden. Jedoch wurden in der Überarbeitung von 2018 den Verwaltungsbehörden wieder mehr Rechte zugesprochen und die Gemeinschaften vor Ort weitgehend ausgeschlossen. Außerdem wird das Eingreifen privatwirtschaftlicher Unternehmen, die Plantagen in Monokulturen betreiben, stark kritisiert.
Im Norden Tamil Nadus, in den Nilgiri Bergen - eines der artenreichsten Ökosysteme weltweit und dem größten geschlossene Waldgebiet im Süden Indiens, sind die größten Vorkommen von Wildbienen beheimatet. Honig ist eines der wichtigsten Waldprodukte für die dort siedelnden 18 indigenen Ethnien. Vor allem die Kurumbas, Sholigas und Irulas haben sich seit Jahrhunderten auf die Honigernte spezialisiert und verschiedene Techniken entwickelt, wie sie an den Honig der Wildbienen kommen. Last Forest arbeitet mit indigenen Gemeinschaften und unterstützt sie dabei indem sie ihre Fähigkeiten stärken und durch die Vermarktung ihrer Produkte nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum ermöglichen. Die Produktion und Wertschöpfung finden in Produktionszentren auf Dorfebene statt. Diese Zentren werden vollständig von Frauen geleitet und betrieben.
EZA-Partner seit 2021
Partnercode 10
"Es werden immer mehr Wälder abgeholzt, und es wird konventionelle Landwirtschaft betrieben, z. B. Tee. Der Teeanbau verdrängt die Wälder, weil Tee eine Cash-Crop ist, oder es wird viel pestizidhaltiges Gemüse und Obst angebaut. Nach ein paar Jahren ist der Boden ruiniert, das Land wird zurückgelassen und der Platz wird gewechselt. Wir sehen das indirekt an der Zahl der Bienen, die zurückkommen, an der Zahl der Bienenstöcke, die gebaut werden und an der Menge des Honigs. Wenn die Bienen nicht da sind, gibt es keine Blüte, die Pflanzen bekommen Probleme mit der Bestäubung. Es gibt einen ganzen Zyklus von Auswirkungen. Wir sehen wie der Wald in Mitleidenschaft gezogen wird."
Quelle: Nandan HS, Interview im Rahmen der Climate Justice Campaign, März 2021
Last Forest
Das private Unternehmen mit sozialer Ausrichtung wurde 2010 als Vermarktungsorganisation der Keystone Foundation (NGO) gegründet. Seit 2016 ist Last Forest garantiertes WFTO Mitglied. 2020 wurde erstmals exportiert. Oberstes Ziel von Last Forest ist die Vermarktung ökologisch nachhaltiger und sozial verantwortlich produzierter Produkte unter Einbeziehung indigener Gemeinschaften zu deren Förderung. Während Last Forest seine Aufgaben vor allem in der Vermarkung und Produktentwicklung sieht, setzt sich die Keystone Foundation für den Erhalt der Umwelt, Bewusstseinsbildung und die institutionelle Beratung und Weiterbildung indigener Gemeinschaften ein. Die Organisationen haben ihren Sitz in dem Bergort Kotagiri am Fuße der Nilgiri Berge. Auf dem gemeinsame Campus wurde kein einziger Sack Zement verbaut. Alle Gebäude sind aus Erde und es gibt keine Zäune, damit die Tiere ein und aus können.
Mehr als 30% ihrer Gewinne werden direkt in die Entwicklung der indigenen Gemeinden investiert. Dadurch wird für eine Verbesserung der Gesundheit als auch Bildung gesorgt und Stolz, Würde sowie ein nachhaltiges Einkommen für die ProduzentInnen geschaffen. Last Forest hat Einfluss auf über 6.500 indigene Menschen im Nilgiri Biosphärenreservat. Das Unternehmen verarbeitet forst- und landwirtschaftliche Produkte der direkt beteiligten ProduzentInnen und ist in der unmittelbaren Nähe des Nilgiris Biosphären Reservats angesiedelt. Unterstützt werden die ProduzentInnen von der Keystone Foundation und Last Forest in den Bereichen Organisationsentwicklung, technische Beratung, technologische Ausstattung, Produktentwicklung und Vermarktung.
Die ProduzentInnen
Last Forest arbeitet mit Fairtrade zertifizierten Gruppen, Bio-ProduzentInnen, Selbsthilfegruppen und lokalen Organisationen benachteiligter KleinproduzentInnen unterschiedlicher Regionen zusammen, die Unterstützung bei der Vermarktung ihrer Produkte benötigen. Besonderes Augenmerk legt Last Forest auf die Zusammenarbeit mit indigenen ProduzentInnen. Sie sind organisiert und an den internen Entscheidungsprozessen beteiligt. Wichtigster Lieferant von Last Forest ist das ProduzentInnenkollektiv Aadhimalai mit insgesamt 1609 Mitglieder. Es wurde von den indigenen ProduzentInnen selbst gegründet. Sie tragen die volle Verantwortung und treffen alle wesentlichen Entscheidungen. Die Generalversammlung der Mitglieder wählt VertreterInnen, die dem Kollektiv vorstehen. Die indigenen SammlerInnen aus Nilgiris sind ebenfalls Mitglieder von Aadhimalai. Sie liefern den Honig und das Wachs, erhalten von Aadhimalai den von ihnen festgesetzten fairen Preis und verpflichten sich ihrerseits, die nachhaltigen Erntemethoden der Honigernte beizubehalten. Die Bienenwachstücher von EZA Fairer Handel werden teilweise in den Zentren von Aadhimalai (in Pillur und Banglapadigai) und teilweise von Last Forest gefertigt (je nach Auftragsmenge, Lieferzeit und Verfügbarkeit der Rohstoffe). Alle Gruppen wenden seit Jahrhunderten nachhaltige Erntemethoden an, um die Vorkommen der Wildbienen nicht zu gefährden: Es wird nur ein Teil der Waben geerntet. Die Ernte erfolgt nur in bestimmten Phasen. Die Waben mit der Brut und den Königinnenzellen werden geschont. Die Biene selbst gilt als heiliges Tier und wird von den Sammlern verehrt. Während die Männer den Honig sammeln, verarbeiten die Frauen das Wachs zu diversen Produkten. Im Fall der Bienenwachstücher wird das Wachs gereinigt, geschmolzen, gefiltert und dann auf ein Gewebe aus GOTS-zertifizierter Bio-Baumwolle indischer Herkunft aufgebracht (aufgebügelt) – alles in Handarbeit!
Weitere Informationen:
Die Bienenflüsterer: Indien - Flüssiges Gold in schwindelnder Höhe, ARTE Doku (2018)
Quellen: PKU 01/2021, SAR 11/2020, WFTO Profile 06/2018, Interview Nandan 03/2021; (EZA, August 2021)
Vorteile aus dem Fairen Handel
Die ProduzentInnen profitieren von:
- Einkommensbeschaffung und Arbeitsplätze vor Ort
- Verarbeitung der Produkte und damit verbesserte Einkommen
- bessere Preise
- Unterstützung bei der Vermarktung
- Umfassende technische Beratung und Schulungen
- Zugang zu Inputs für organisch-biologischen Anbau
- Anerkennung und Förderung der indigenen Kulturen und Traditionen
- Beteiligung am Gewinn
- Mitbestimmung innerhalb der Gruppen
Angestellte von Last Forest genießen folgende Vorteile:
- fixe Arbeitsverträge
- geregelte Arbeitszeiten
- gute Arbeitsbedingungen
- Zugang zu allen gesetzlichen Sozialleistungen
- Zusätzliche, freiwillige Leistungen: eigener Welfare Fund, Medical Fund,...
- regelmäßige Schulungen und Fortbildungen



