Kurkuma und Kardamom
Der hohen Kunst des Würzens...
...begegnet man in Sri Lanka auf Schritt und Tritt. Der unendliche Variantenreichtum in den Kochtöpfen wurzelt – so zeigt ein Lokalaugenschein – auf kleinen Feldern und in tropischen Gärten betörender Vielfalt.
Meterhohe Palmen ragen kerzengerade in den Himmel, dazwischen Bananenstauden, Cashewbäume, Betelpfeffer, Ananas. Das ist der Arbeitsplatz von Namal. Der ehemalige Techniker für Klimaanlagen lebt in Watinapaha, einem Dorf im Hinterland der Westküste Sri Lankas. Vor ein paar Jahren hat er seinen Beruf an den Nagel gehängt und tut nun das, was auch schon seine Großeltern und Eltern machten: Er baut Gewürze an. „Für mich ist es besser, Bauer zu sein,“ stellt er fest. Dass er auf Bio-Anbau umgestellt hat, fand anfänglich nicht die ungeteilte Zustimmung der Eltern. Immerhin gingen in den ersten Jahren die Erträge zurück. Durch das Weglassen von chemischen Düngemitteln habe man aber Geld gespart. Und mittlerweile erwirtschaftet er auch wieder guten Ertrag.
Auf seinem Stück Land, das gerade einmal zwei Hektar misst, gibt es neben den weithin sichtbaren Bäumen und Sträuchern auch Schätze im Verborgenen. Für die Gäste aus Österreich hackt der Mann beherzt in den Boden, greift mit beiden Händen in die Erde und befördert ein Bündel zutage, das wie eine Wurzelknolle aussieht. In Wahrheit ist es – so erfährt man – ein sogenanntes Rhizom, das man durch Teilung wunderbar vermehren kann. Es gibt auch essbare Rhizome und dazu zählt, was Namal in seinen Händen hält: Kurkuma. Ihr sattgelbes Innenleben machte sie bei uns als Gelbwurz bekannt.
Als stark farbgebendes Gewürz mit erdigem, leicht pfeffrigem Geschmack, ist sie ein Fixbestandteil in Curry Mischungen und Eintopfgerichten, die in Sri Lanka oder Indien täglich auf den Tisch kommen. Darüber hinaus ist Kurkuma eine seit Jahrhunderten geschätzte Heilpflanze in der ayurvedischen und chinesischen Medizin. Für Namal bedeutet sie eine wichtige Einkommensquelle, mit der er einen Teil des Geldes erwirtschaftet, das er für sich und seine Familie zum Leben braucht. Umgerechnet etwa 4.000,– Euro pro Jahr bringen ihm der Anbau von Gelbwurz und der damit verwandte Ingwer.
Faire und verlässliche Vermarktung
Bei der Vermarktung kann Namal – wie über 50 weitere Familien in seinem Dorf – auf PODIE bauen. Die gemeinnützige Organisation existiert seit den 1970er Jahren und arbeitet mit den Bauernfamilien eng zusammen. „Das wichtigste für mich ist, dass wir für unser Produkt einen höheren Preis bekommen,“ sagt Namal. Für den langjährigen Geschäftsführer von PODIE, Tyrell Fernando, ist das nachvollziehbar. „Durch den Einfluss großer Marktteilnehmer wird der Preis für Gewürze oft stark nach unten gedrückt. Am schlimmsten sind davon die Menschen betroffen, die vom Gewürzanbau leben. Manche von ihnen begehen sogar Selbstmord. Deshalb garantieren wir einen Mindestpreis. Gemeinsam mit den Bauern und Bäuerinnen kalkulieren wir die Produktionskosten und den Gewinn und legen die Höhe des Preises fest.“ Mindestens 15 Prozent mehr sind den ProduzentInnen sicher, abhängig vom Gewürz wird mitunter sogar das Doppelte des Marktpreises bezahlt.
Alles wächst und gedeiht
Das wissen auch die Mitglieder der Gruppe in Kothmalezu schätzen. Ihr Dorf liegt auf 1500 Metern Seehöhe in malerischer Berglandschaft im Zentrum der Insel. Die kleinen Flächen, die die Menschen hier bewirtschaften, nennt man „Hausgärten“, wenngleich man sich angesichts üppiger Vegetation und hoch aufschießender Baumriesen eher mitten im Urwald wähnt. Vanille- und Pfefferlianen wuchern Baumstämme empor, Kaffeesträucher stehen in Blüte, vorbei am Nelken- und Papayabaum geht es hinein in einen kleinen „Wald“ aus hohen schmalen Blättern. Vom Boden weg ragen zarte Triebe mit feinen Blüten und grünen Samenkapseln empor. „Das ist Kardamom“, erklärt Mayurapula. „Um gut zu wachsen, braucht er den Schatten der Bäume.“
Schulungen für ein gutes Produkt
PODIE habe sie dabei unterstützt, den Kardamomanbau auszudehnen, erzählt der Bauer. Doch nicht nur das. Es wurde auch ein Trockner angeschafft, um die Kapseln nach der Ernte rasch weiterverarbeiten zu können. Denn die Sonnentrocknung ist bei hoher Luftfeuchtigkeit ein Problem. Mayurapula hat sich vor 13 Jahren der Gruppe angeschlossen, die mit PODIE zusammenarbeitet. Neben der Verlässlichkeit bei Abnahme und Preis schätzt er vor allem die Schulungen, die PODIE regelmäßig anbietet. „Dabei geht es darum, wie wir zu gutem Saatgut und Pflanzmaterial kommen, wie wir biologischen Dünger herstellen können, worauf wir beim Anbau und der Weiterverarbeitung achten müssen, damit wir ein gutes Produkt bekommen.“ Mayurapula lebt mit seiner Frau und vier Kindern. Ob denn das Einkommen reiche, wird er gefragt. „Wir sind nicht vom Kardamom abhängig,“ stellt er fest. „Wir kultivieren auch Früchte und von den Kitulpalmen gewinnen wir Palmsirup.“ Beides verwenden sie – wie auch die verschiedenen Gewürze – selbst, bieten es aber auch zum Verkauf an. „Wir produzieren gesund und können gesund leben. Alles in allem haben wir genug“, sagt der Bauer. Eine seiner Töchter wird bald heiraten. Als Mitgift bekommt sie Möbel – aus dem Holz seines „Gartens“.
Weitere Informationen:



