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  Internationale Entwicklungspolitik
und -zusammenarbeit

Finanzmärkte und Finanzkrisen

Finanzmärkte erfüllen wichtige realwirtschaftliche Funktionen und haben daher eine zentrale Rolle im Entwicklungsprozess. Die Struktur und die Funktionsweise der internationalen Finanzmärkte haben sich in den letzten dreißig Jahren v.a. durch weitgehende Liberalisierungen und Deregulierungen stark verändert und verkompliziert. Die ökonomischen Grundfunktionen der Finanzmärkte sind aber überschaubar geblieben. Zum einen sollen Finanzmärkte liquide Mittel für Investitionen und Konsum bereitstellen. Auf den Finanzmärkten können SparerInnen ihr Geld anlegen und dieses Geld steht Unternehmen, Regierungen und Privatpersonen für Investitionen oder Konsum zur Verfügung. Zum anderen sollen Finanzmärkte grenzüberschreitende wirtschaftliche Transaktionen ermöglichen. Auf Finanzmärkten können Währungen getauscht werden, damit ausländische Produkte gekauft oder im Ausland Investitionen getätigt werden können.

Diese wesentlichen, die Realwirtschaft unterstützenden Funktionen haben aber in den letzten drei Jahrzehnten stark an Bedeutung verloren. Auf den Finanzmärkten steht nicht mehr die Finanzierung von realen Investitionen im Vordergrund, sondern der Handelsaspekt also das Kaufen und Verkaufen von Finanztiteln mit dem Ziel – meist kurzfristige – Kursgewinne zu erzielen. Finanzmärkte unterstützen dabei die Realwirtschaft immer weniger sondern dominieren und destabilisieren sie. Das zeigt schon allein ein Blick auf die Summen, die an den internationalen Finanzmärkten täglich gehandelt werden. Auf dem Devisenmarkt, wo unterschiedliche Währungen miteinander getauscht werden, haben weniger als 3% der Transaktionen eine Beziehung zur Realwirtschaft – zu internationalem Handel und ausländischen Direktinvestitionen.

Diese Entwicklungen haben massive Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft: Sie sind ein wesentlicher Faktor für die sinkende politische Autonomie von Staaten im so genannten Standortwettbewerb. Sie produzieren Instabilitäten bis hin zu Finanzkrisen, mit katastrophalen Auswirkungen auf die unmittelbare Lebenssituation von Millionen von Menschen, und mit Folgen, die auch noch lange nach ihrem Ausbruch spürbar sind. Die Dominanz von Finanzmarktinteressen in der nationalen und internationalen Politikgestaltung stellt ein wesentliches Hindernis für nachhaltige Entwicklungsstrategien dar.

Nach dem Ausbruch der Finanzkrise in Südostasien im Jahr 1997 mit ihren verheerenden Folgen für die betroffenen Länder schien es einen internationalen Konsens darüber zu geben, dass die aktuelle Ausgestaltung der internationalen Finanzmärkte dringenden Reformbedarf aufweist. Eine öffentliche Diskussion über die Risiken liberalisierter und instabiler Finanzmärkte und über eine notwendige neue internationale Finanzarchitektur entbrannte. Nachdem sich aber zeigte, dass es zu keiner Ansteckung der Finanzzentren kommen würde, verstummte die Diskussion und der Reformelan verschwand.


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